Vom Bosporus ins Herz Europas – Theophanu und der griechische Glanz im Reich der Ottonen
22. Juni 2026 | Ein historischer Essay – von Andreas Manousos
Magdeburg kennt Otto. Der Kaiser ruht im Dom, sein Name liegt wie ein altes Siegel über der Stadt. Ein zweiter Otto ließ mit zwei kupfernen Halbkugeln die Kraft des Luftdrucks sichtbar werden. Otto der Große und Otto von Guericke besitzen ihren festen Platz im Gedächtnis der Ottostadt.
Dann fällt der Name Theophanu.
Ich lebe in Magdeburg und stamme aus einer griechischen Familie. Über Griechenland und das Byzantinische Reich hatte ich bereits geschrieben. Erst mit 62 Jahren traf mich die Erkenntnis, welche Frau hier fast aus dem öffentlichen Blick verschwunden ist. In Gesprächen mit Menschen aus Sachsen-Anhalt und Sachsen rief ihr Name vor allem fragende Blicke hervor. Diese Erfahrung wirkte auf mich wie ein Riss im historischen Gedächtnis. Die Stadt kennt den Kaiser im Dom. Die Frau, die das ottonische Erbe durch seine gefährlichste Stunde trug, bleibt vielen fremd. Ihre Geschichte verdient mehr als eine Randnotiz.
Schon ihr Name verlangt Sorgfalt. Die griechische Form lautet Θεοφανώ, wissenschaftlich Theophanō, gesprochen Theofanó. Am Ende steht das betonte Omega ώ. Die westliche Namensform Theophanu endet mit lateinischem u; im griechischen Original steht an dieser Stelle ώ. Nominativ und Vokativ lauten bei diesem Frauennamen gleich. In den lateinischen Quellen des Ottonenreiches erscheint die Kaiserin als Theophanu. Unter diesem Namen siegelte sie während ihrer Regentschaft.[1][2][23][25] Zwei Schreibwelten berühren sich hier bereits im Namen.
Theophanu kam aus dem östlichen Römischen Reich, das die spätere Geschichtsschreibung Byzanz nannte. Seine Bewohner bezeichneten sich als Rhomaioi, als Römer. Am Hof war Griechisch die selbstverständliche Sprache. Seit dem frühen Mittelalter arbeitete auch die Verwaltung auf Griechisch. Politische Romanität verband sich dort mit einer Kultur, deren Sprache Europas Denken seit der Antike geprägt hatte.[3][4]
Von der Einweihung Konstantinopels im Jahr 330 bis zur Eroberung der Stadt 1453 vergingen 1.123 Jahre. Byzanz war das wirkliche tausendjährige Reich Europas. Dynastien wechselten. Selbst schwere Krisen brachen die staatliche Kontinuität jeweils nur für kurze Zeit. In den Handschriften blieb die griechische Überlieferung lebendig, während das römische Recht in der Verwaltung fortwirkte. Im Jahrhundert Theophanus erlebte dieses Reich eine neue Blüte.[3][4]
Der griechische Geist war dort Gegenwart. Homer lag fern in der Zeit und nahe in der Sprache. Durch die Septuaginta sprach auch die Bibel in jenem Griechisch, das den Denkraum der Theologen bestimmte. Konstantinopel bewahrte europäische Erinnerung und schuf daraus stets neue Formen.
Aus dieser Welt gelangte ein sehr junges Mädchen an den Hof der Ottonen. Mit ihr erhielt die Ferne dort ein Gesicht.
Ihre genaue Herkunft bleibt in einzelnen Punkten offen. Die jüngere Forschung ordnet sie meist dem byzantinischen Hochadel zu und nennt Konstantinos Skleros sowie Sophia Phokaina als wahrscheinliche Eltern. Die Heiratsurkunde bezeichnet Theophanu als „neptis“ Kaiser Johannes’ I. Tzimiskes. Das lateinische Wort konnte eine Nichte oder eine andere jüngere Verwandte bezeichnen. Ihr Rang führte jedenfalls in das engste Umfeld der byzantinischen Macht. Auch ihre Erziehung stand im Horizont des Kaiserhofes.[1][2]
Otto I. suchte für seinen Sohn eine Braut aus Konstantinopel, weil die Ehe politische Anerkennung tragen sollte. Der sächsische König hatte 962 in Rom die Kaiserkrone empfangen. Am Bosporus betrachtete man dieses erneuerte westliche Kaisertum mit dem Selbstbewusstsein des älteren Reiches. Otto hoffte zunächst auf eine purpurgeborene Kaisertochter. Theophanus Rang lag unter dem einer Porphyrogenneta. Ihre Entsendung bedeutete trotzdem einen diplomatischen Durchbruch von europäischem Gewicht.[1][5]
Am 14. April 972 heiratete sie Otto II. in Rom. Papst Johannes XIII. krönte sie am selben Tag zur Kaiserin. Theophanu dürfte damals ungefähr zwölf oder dreizehn Jahre alt gewesen sein. Vor ihr lag eine fremde Hofwelt, deren Ordnung durch persönliche Anwesenheit lebte.[1][5]
Vom Hochzeitstag stammt eine Urkunde, die bis heute überwältigt. Fast eineinhalb Meter Pergament tragen Goldschrift auf purpurnem Grund. Hinter den Zeilen erscheint ein Bildprogramm mit Anklängen an byzantinische Seidenstoffe. Otto II. erhob seine Gemahlin darin zur „consors imperii“, zur Teilhaberin an der Herrschaft, und übertrug ihr umfangreiche Güter. Das Dokument war Rechtsakt und Erscheinung zugleich. Es machte Rang sichtbar, bevor ein Wort gelesen war. Auf diesem Pergament berührten sich zwei Kaiserwelten.[5][6]
Die lange Reise des Hofes führte Theophanu im Frühjahr 973 nach Magdeburg. Der Historiker Wolfgang Huschner schildert den Einzug am Palmsonntag als öffentliches Ereignis. Die junge Griechin und ihr Gefolge fielen durch ihre Kleidung auf. Magdeburg war damals eine kaiserliche Pfalz an der östlichen Flanke des Reiches. Für Theophanu muss die Stadt vollkommen anders gewirkt haben als Konstantinopel. Für Magdeburg öffnete sich mit ihrer Ankunft ein Fenster zum Bosporus.[7]
Wenige Wochen später starb Otto I. in Memleben. Otto II. übernahm die Herrschaft, und Theophanu trat an seine Seite. Ihre Stellung lässt sich in den Urkunden messen: In 67 von 284 Diplomen ihres Mannes erscheint sie als Intervenientin. Eine solche Nennung bezeichnete wirksame Fürsprache am Hof. Seit 974 führte sie den Titel „coimperatrix augusta“. Die junge Frau aus Konstantinopel war damit als Mitkaiserin sichtbar.[1]
Kaiserin worüber?
Der später gebräuchliche Name „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ gehört in eine jüngere Epoche. Theophanu stand im westlichen Kaisertum der Ottonen. Sein nordalpiner Schwerpunkt lag im ostfränkisch-deutschen Königreich; südlich der Alpen gehörte das Königreich Italien zum Herrschaftsverband. Lotharingien band den Rheinraum an den Westen. Moderne Grenzlinien führen dabei in die Irre. Dieses Reich war ein Geflecht aus Herzogtümern und geistlichen Herrschaften, zusammengehalten durch Treue und die reisende Gegenwart des Hofes. Sein Machtbereich bildete einen Kernraum Mitteleuropas; Europa als Ganzes bestand aus mehreren Reichen.[1][8]
Seine Ausdehnung reichte von der Nordsee bis nach Mittelitalien. Im Osten berührte es die Räume an Elbe und Saale. Das historische Sachsen bildete einen Kern der ottonischen Macht. Seine Grenzen unterschieden sich deutlich von den heutigen Ländern Sachsen und Sachsen-Anhalt. Magdeburg lag mitten in dieser Herrschaftslandschaft; Quedlinburg trug das Gedächtnis der Dynastie. Das Gebiet des heutigen Freistaates Sachsen gehörte großenteils zum östlichen Kontakt- und Konfliktraum, in den die ottonische Politik ausgriff. Theophanu lernte diese Welt zu beherrschen.
Herrschaft im 10. Jahrhundert fand unterwegs statt. Wo der Hof erschien, erschienen auch die Fürsten mit ihren Anliegen. Die Kanzlei hielt Entscheidungen auf Pergament fest. Eine Kaiserin brauchte dafür Gedächtnis und Menschenkenntnis. Theophanu gewann beides in einer Umwelt, die ihr anfangs fremd gewesen war. Ihre byzantinische Sozialisation schärfte den Blick für Rang. Eigene Begabung machte daraus politische Kraft.
Dann starb Otto II.
Der Kaiser erlag am 7. Dezember 983 in Rom einer Krankheit. Er war 28 Jahre alt. Sein Sohn Otto III. zählte drei Jahre und war bereits zum König gewählt. Zu Weihnachten erhielt das Kind in Aachen die Krone. Gleichzeitig erschütterte der große Slawenaufstand die ottonische Ordnung im Osten. Das Erbe Ottos des Großen geriet an mehreren Stellen ins Wanken.[1][8]
Heinrich der Zänker, der frühere Herzog von Bayern, brachte den kleinen König in seine Gewalt. Vormundschaft bedeutete in jener Welt Zugang zur Krone. Heinrich sammelte Anhänger und trat selbst mit Herrschaftsanspruch auf. Theophanu befand sich zunächst in Italien. Sie kehrte über die Alpen zurück und sammelte jene Kräfte, die am Königtum ihres Sohnes festhielten.
Am 29. Juni 984 kam es in Rohr bei Meiningen zur Entscheidung. Heinrich gab Otto III. an seine Mutter Theophanu und seine Großmutter Adelheid zurück. Ein Jahr später unterwarf er sich endgültig. Theophanu hatte das Kind zurückgewonnen und den Zugriff auf die ottonische Nachfolge abgewehrt. Der Erfolg wuchs aus einer Koalition, in deren Mitte die Kaiserin stand. Adelheid gab dem Familienanspruch zusätzliches Gewicht. Erzbischof Willigis von Mainz trug die Regentschaft mit.[1][9]
Die größeren St. Galler Annalen fassten die neue Lage mit bemerkenswerter Klarheit: „cum quo simul regnavit mater eius Theophanu“ – mit ihm regierte zugleich seine Mutter Theophanu.[2] Der Satz ist kurz. Seine Tragweite reicht über Jahrhunderte.
Seit 984 prägte sie die Regentschaft für Otto III.; von 985 an lag die Führung des Reiches bei ihr. Der reisende Hof blieb handlungsfähig. Insgesamt entstanden in diesen Jahren 72 Urkunden. Während ihrer Italienreise von 989 bis 990 ließ Theophanu Akte im eigenen Namen ausstellen. Eine später überlieferte Abschrift nennt sie sogar „Theophanius imperator augustus“. Die männliche Form des Kaisertitels kann aus der Vorlage stammen oder auf den Kopisten zurückgehen. In beiden Fällen zeigt die Überlieferung, wie weit ihre Stellung über die gewöhnliche Rolle einer Kaiserwitwe hinausreichte.[1][2]
In Quedlinburg wurde diese Herrschaft sichtbar. Zu Ostern 986 saß der junge Otto III. beim feierlichen Hofmahl, während die Herzöge ihre traditionellen Dienste verrichteten. Die Szene erklärte dem Reich, dass der Junge König blieb. Hinter dieser Inszenierung stand seine Mutter. Quedlinburg war Grablege und Erinnerungsort der Dynastie. Theophanu verwandelte das Gedächtnis des Hauses in Gegenwartspolitik.[10][11]
Magdeburg lag währenddessen nahe an der erschütterten Ostgrenze. Der Aufstand von 983 hatte die ottonische Missionsordnung schwer getroffen. Theophanus Regentschaft musste diesen Raum sichern, dessen Ausbau Otto I. zu seinem Lebenswerk gemacht hatte. Ihre Leistung bestand hier vor allem im Erhalt der Handlungsfähigkeit. Sie bewahrte den Hof vor dem Zerfall und gab ihrem Sohn Zeit.
Thietmar von Merseburg, 975 geboren und in der sächsischen Welt verwurzelt, schrieb später über sie: „regnumque filii eius custodia servabat virili“. Sie habe das Reich ihres Sohnes mit männlicher Wachsamkeit bewahrt. Der Chronist lobte ihre Milde gegenüber den Getreuen und ihre Härte gegenüber Aufständischen. Seine Sprache verrät das Maß seiner Zeit: Entschlossenheit erschien ihm als männliche Tugend. Gerade dadurch leuchtet seine Anerkennung umso heller.[2][12]
Die Magdeburger Annalen nannten Theophanu eine „Grecam illustrem“ und bescheinigten ihr „ingenio facundam“ – eine vornehme Griechin von beredtem Geist. Die erhaltene Fassung entstand später und griff auf ältere Überlieferung zurück. Der Satz besitzt für Magdeburg eine besondere Ironie. Ein mittelalterlicher Annalist schrieb ihre griechische Herkunft ausdrücklich fest; die moderne Stadt spricht ihren Namen viel zu selten aus.[13]
Welche Wirkung brachte diese Griechin aus Byzanz mit?
Gerade hier braucht Hellenophilie historische Sorgfalt. Hübsche Geschichten über Gabeln oder einzelne Moden besitzen oft eine schwache Quellenbasis. Theophanus tatsächliche Bedeutung ist größer als solche Anekdoten. Ihre Anwesenheit schuf einen dauerhaften Kontakt zwischen den Höfen. Besonders sichtbar wird er in der Heiratsurkunde, die byzantinischen Glanz in westliche Schriftkunst übersetzte. Später gewann mit Johannes Philagathos ein griechischsprachiger Geistlicher eine herausgehobene Stellung im Umfeld Ottos III.[1][2][6]
Kultur wandert durch Menschen. Theophanu brachte die Erfahrung eines Hofes mit, der Herrschaft seit Jahrhunderten als sichtbare Ordnung inszenierte. Das ottonische Reich besaß bereits eine starke eigene Kultur; ihre Gegenwart erweiterte dessen Horizont. Griechisch gehörte zur Bildung Ottos III., während Konstantinopel am Hof zur familiären Wirklichkeit wurde. Unter seiner späteren Herrschaft trat die römische Dimension des Kaisertums mit ungewöhnlicher Stärke hervor.[7][14]
Der Anteil Theophanus an einzelnen Kunstwerken bleibt schwer messbar. Die Forschung urteilt hier vorsichtig. Ein unmittelbarer Befehl der Kaiserin steht selten hinter einem erhaltenen Objekt. Ihr kultureller Einfluss lag tiefer: Sie veränderte den Horizont des Hofes. Konstantinopel wurde von einer fernen Macht zu einer familiären Wirklichkeit. Der Osten saß mit am Tisch des Westens.[1][14]
Auch ihre politische Bildung verdient klare Würdigung. Byzantinische Diplomatie lebte von genauer Beobachtung und von der Kunst, Machtunterschiede in Formen zu übersetzen. Theophanu beherrschte diesen Ton. Gegen Heinrich den Zänker formte sie eine Koalition, die den Griff nach der Krone scheitern ließ. Später trat sie in Italien und gegenüber auswärtigen Herrschern als politische Adresse ihres Sohnes auf. Ihre Herkunft lieferte einen Erfahrungsschatz. Ihre Persönlichkeit verwandelte ihn in Regierung.[1][15]
Otto I. hatte sein Reich durch militärische Siege befestigt. Theophanu rettete die dynastische Fortsetzung in einer Nachfolgekrise. Beide Leistungen besitzen eine andere Klangfarbe. Die eine dröhnt vom Lechfeld herüber. Die andere spricht aus Pergament und aus einem Kind, das König blieb. Geschichte hört Schlachten leichter als Regentschaften.
Darin liegt ein Grund für Theophanus schwache Stellung im öffentlichen Gedächtnis. Otto der Große erhielt im Magdeburger Dom einen monumentalen Ort. Adelheid gewann später den Ruhm einer Heiligen. Theophanus Grab lag fern am Rhein. Ihre Macht verteilte sich über Reisewege und Urkunden, also über Zeugnisse, die Erklärung verlangen.[1][14]
Am 15. Juni 991 starb Theophanu in Nimwegen. Sie war wohl erst Anfang dreißig. Adelheid führte die Regentschaft weiter, bis Otto III. selbst regieren konnte. Der Übergang verlief geordnet. Darin zeigte sich die Stärke der Ordnung, die Theophanu seit 984 geschaffen hatte.[1]
Ihre letzte Ruhestätte fand sie in St. Pantaleon zu Köln. Sie hatte die Kirche gefördert und wollte dort bestattet werden. Heute liegt ihr Sarkophag im Westwerk. Der helle Naxos-Marmor schlägt eine steinerne Brücke zur griechischen Herkunft der Kaiserin.[16][17]
Jahrhunderte später verlief die deutsch-griechische Bewegung in umgekehrter Richtung. 1832 wurde der bayerische Prinz Otto von Wittelsbach zum König von Griechenland bestimmt. Das Königspaar trug bei offiziellen Anlässen griechische Nationaltracht. Im Bamberger Exil hielt Otto an der Fustanella fest und bestimmte sie auch als sein Totengewand.[18][19]
Diese Geschichte kennen viele Griechen. Die ältere Geschichte der griechischen Kaiserin an der Elbe verdient denselben Rang im Gedächtnis.
Als Grieche in Magdeburg berührt mich diese Umkehrung. Griechenland erhielt im 19. Jahrhundert einen bayerischen König. Das ottonische Reich erhielt im 10. Jahrhundert eine griechisch-byzantinische Kaiserin, die nach dem Tod ihres Mannes die Regierung führte. Zwischen beiden Lebenswegen liegen fast neun Jahrhunderte. Zusammen erzählen sie von einer deutsch-griechischen Verflechtung, die tiefer reicht als die moderne Nationalgeschichte.
Sachsen-Anhalt besitzt dafür eine einzigartige Bühne. Im Magdeburger Dom ruht Otto der Große; Quedlinburg bewahrt die Grablege des ersten ottonischen Königspaares und die Erinnerung an mächtige Frauen des Hauses.[11]
An der Unstrut liegt Memleben. Dort starb Otto I. Dort gründeten Otto II. und Theophanu ein Benediktinerkloster für das Gedächtnis des Kaisers. Wer diese Landschaft verbindet, erzählt Europa bis Konstantinopel.[20]
Auch Sachsen gehört in diesen Horizont, sofern die historischen Grenzen sauber bleiben. Der Name Sachsen wanderte im Lauf der Jahrhunderte nach Osten. Die ottonische Kernlandschaft lag vor allem im heutigen Sachsen-Anhalt und in Niedersachsen. Das Gebiet des heutigen Freistaates stand damals an jener östlichen Schwelle, an der sich Reichspolitik und slawische Welt begegneten. Theophanus Zeit führt damit auch in die Vorgeschichte jener mitteldeutschen Landschaft, die später den sächsischen Namen tragen sollte.
Magdeburg wirbt selbst mit den Spuren seiner großen Ottos. Dieser Stolz ist berechtigt. Seine Fortsetzung führt zu Theophanu. Im öffentlichen Raum erinnert bereits ein Baumrondell an die Ottoninnen. Das Kulturhistorische Museum hat ihre Bedeutung aufgegriffen. Der nächste Schritt liegt in einer viel stärkeren Präsenz im Unterricht und im Stadtbild.[21][22]
Eine Apotheose würde ihre historische Größe eher verengen, denn ihre Leistung trägt sich selbst.
Aus der griechischen Hochkultur von Byzanz gelangte eine junge Frau an einen sächsischen Hof. Die Krone machte sie zur Kaiserin. Ihre eigene Größe zeigte sich erst, als der Kaiser starb: Sie gewann den Kindkönig zurück und hielt seine Herrschaft bis zu ihrem frühen Tod fest in der Hand. Der Hof sah Europa fortan mit einem weiteren Horizont.
Otto I. gab Magdeburg seine kaiserliche Gründungserzählung. Theophanu gab seinem Erbe Zukunft.
Magdeburg erinnert sich an Otto. Nun gehört Theophanu ins Licht.
Quellen und weiterführende Forschung
1. Deutsche Biographie, Martina Giese: „Theophanu“ – https://www.deutsche-biographie.de/gnd1089160720.html
2. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit: „Theophano/Theophanu“ – https://telota.bbaw.de/pmbz/scripts/browse.xql?target=PMBZ30282
3. The Metropolitan Museum of Art, Sarah T. Brooks: „Byzantium (ca. 330–1453)“ – https://www.metmuseum.org/essays/byzantium-ca-330-1453
4. Encyclopaedia Britannica: „Byzantine Empire“ – https://www.britannica.com/place/Byzantine-Empire
5. Niedersächsisches Landesarchiv: „Theophanu auf Reisen“ – https://nla.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/neuigkeiten/2021/theophanu-auf-reisen-200137.html
6. Universität Hamburg, Centre for the Study of Manuscript Cultures, Bruno Reudenbach: „The Marriage Charter of Theophanu“ – https://www.csmc.uni-hamburg.de/publications/mc/files/articles/mc10-reudenbach.pdf
7. Straße der Romanik, Gespräch mit Wolfgang Huschner: „Von Konstantinopel nach Magdeburg“ – https://romanik-strasse-erleben.de/von-konstantinopel-nach-magdeburg/
8. Landschaftsverband Rheinland, Andrea Stieldorf: „Theophanu“ – https://rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/theophanu/DE-2086/lido/57c93d944a2b77.09558048
9. WDR ZeitZeichen: „Heinrich der Zänker übergibt Otto III. wieder an dessen Mutter“ – https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/zeitzeichen-koenig-otto-der-dritte-kommt-zur-mutter-zurueck-100.html
10. Pennsylvania State University Press, Gerd Althoff: „Otto III.“ – https://www.psupress.org/books/titles/0-271-02232-9.html
11. Monumenta Germaniae Historica: „Annales Quedlinburgenses“ – https://www.dmgh.de/mgh_ss_rer_germ_72/
12. Monumenta Germaniae Historica: Thietmar von Merseburg, „Chronicon“ – https://www.dmgh.de/mgh_ss_rer_germ_n_s_9/
13. Monumenta Germaniae Historica, MGH SS 16: „Annales Magdeburgenses“ – https://www.dmgh.de/mgh_ss_16/
14. Cambridge University Press, Laura Wangerin: „Empress Theophanu, Sanctity, and Memory in Early Medieval Saxony“ – https://www.cambridge.org/core/journals/central-european-history/article/empress-theophanu-sanctity-and-memory-in-early-medieval-saxony/3BA47130D8EAC2B64A74D9C1A92ED4E6
15. Columbia University, Epistolae: „Theophanu, empress“ – https://epistolae.ctl.columbia.edu/woman/26.html
16. Freundeskreis St. Pantaleon Köln: „Ausstattung und Theophanu-Sarkophag“ – https://www.freundeskreis-pantaleon-koeln.de/st-pantaleon/ausstattung/
17. Förderverein Romanische Kirchen Köln: „Ausgrabungen unter St. Pantaleon“ – https://romanische-kirchen-koeln.de/veroeffentlichungen/s-ristow-ausgrabungen-unter-st-pantaleon
18. Historisches Lexikon Bayerns: „Königtum Ottos von Griechenland“ – https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/K%C3%B6nigtum_Ottos_von_Griechenland
19. Museen in Bayern: „Bayern und Griechenland – eine weiß-blaue Geschichte“ – https://museen-in-bayern.de/otto-von-griechenland-museum
20. Kloster und Kaiserpfalz Memleben: „Geschichte und Kultur“ – https://www.kloster-memleben.de/geschichte-kultur
21. Landeshauptstadt Magdeburg: „Otto-Orte – Auf den Spuren unserer großen Ottos“ – https://www.magdeburg.de/index.php?FID=557.2722.1&ModID=7&object=tx%7C557.2722.1
22. FrauenOrte Sachsen-Anhalt: „Ottoninnen in Magdeburg“ – https://frauenorte.net/frauenorte/ottoninen-in-magdeburg/
23. Regesta Imperii OPAC, Günther Steffen Henrich: „Theophanu oder Theophano?“ – https://opac.regesta-imperii.de/lang_de/anzeige.php?sammelwerk=Kaiserin+Theophanu
24. Monumenta Germaniae Historica: „Die Urkunden Ottos II. und Ottos III.“ – https://www.dmgh.de/mgh_dd_o_ii__dd_o_iii/
25. Griechisches Wiktionary: „Θεοφανώ – Flexion und Aussprache“ – https://el.wiktionary.org/wiki/%CE%98%CE%B5%CE%BF%CF%86%CE%B1%CE%BD%CF%8E


