Drei mal in 112 Jahren

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Hier können und dürfen wir nicht schweigen!
85 Jahre nach dem 22. Juni 1941: Deutsche Soldaten wieder an Russlands Grenze
Am 22. Juni 1941 begann mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Unter dem Decknamen Operation Barbarossa marschierten Millionen deutscher Soldaten nach Osten. Der Krieg war kein gewöhnlicher militärischer Konflikt. Er war ein Vernichtungs- und Raubkrieg, getragen von der Ideologie des deutschen Faschismus und den Interessen großer Teile des deutschen Kapitals. Sein Ziel war die Eroberung von Land, Rohstoffen, Arbeitskräften und Märkten im Osten Europas.
85 Jahre später stehen erneut deutsche Soldaten dauerhaft an der Grenze zu Belarus – nur wenige Kilometer von jenem Raum entfernt, in dem einst die Wehrmacht ihren Vernichtungskrieg führte. Fast 5.000 Bundeswehrsoldaten sollen künftig in Litauen stationiert werden. Die Bundesregierung spricht von Abschreckung und Bündnisverteidigung. Doch gerade angesichts der Geschichte sollte diese Entwicklung zu kritischen Fragen führen.
Niemand behauptet, dass sich Geschichte einfach wiederholt. Die Bundesrepublik Deutschland ist nicht das faschistische Deutschland von 1941. Doch Geschichte verpflichtet zur Wachsamkeit. Wer die Erinnerung an den Überfall auf die Sowjetunion ernst nimmt, darf nicht gleichgültig zusehen, wenn deutsche Truppen erneut dauerhaft an die Grenzen Russlands und seiner Verbündeten verlegt werden.
Besonders bemerkenswert ist die politische Symbolik. Während am 22. Juni in Rußland offiziell der Millionen Opfer des deutschen Vernichtungskrieges gedacht wird, findet dieses Datum in den deutschen Medien so gut wie gar nicht statt, stattdessen vollzieht Deutschland gleichzeitig die größte militärische Neuaufstellung seit Jahrzehnten. Die sogenannte „Zeitenwende“ bedeutet nicht nur höhere Militärausgaben. Sie bedeutet auch eine grundlegende Veränderung der Rolle Deutschlands in Europa.
Aus marxistisch-politökonomischer Sicht stellt sich dabei die Frage, welchen Interessen diese Entwicklung dient. Während für Aufrüstung und militärische Infrastruktur hunderte Milliarden Euro bereitgestellt werden, fehlen vielerorts Mittel für Schulen, Krankenhäuser, Renten und sozialen Wohnungsbau. Die Prioritäten verschieben sich zugunsten militärischer Machtprojektion.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Sicherheit entsteht nicht automatisch durch immer mehr Truppen, Panzer und Raketen an den Grenzen des Gegners. Jede militärische Verstärkung auf der einen Seite wird von der anderen Seite als Bedrohung wahrgenommen. So entsteht eine Spirale aus Misstrauen, Aufrüstung und wachsender Kriegsgefahr.
Gerade Deutschland müsste aus seiner Geschichte eine andere Lehre ziehen. Der 22. Juni 1941 darf nicht auf Kranzniederlegungen und Sonntagsreden reduziert werden. Die Erinnerung an die 27 Millionen sowjetischen Opfer verpflichtet dazu, jede Politik kritisch zu hinterfragen, die Europa erneut in Richtung militärischer Konfrontation treibt.
Die wichtigste Lehre dieses Jahrestages lautet daher nicht Aufrüstung, sondern Frieden. Nicht Feindbilder, sondern Verständigung. Nicht neue Frontlinien, sondern gemeinsame Sicherheit für alle Völker Europas.
Denn wer die Vergangenheit wirklich ernst nimmt, sollte alles dafür tun, dass deutsche Soldaten niemals wieder Teil einer Entwicklung werden, die Europa an den Rand eines großen Krieges führt.

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