DER WEG IN DEN WASSERKRIEG

WENN WASHINGTON KRAFTWERKE AUSLÖSCHEN WILL, RÜCKT DIE ZERSTÖRUNG DER WASSERVERSORGUNG IN GREIFBARE NÄHE

23. März 2026 – Ein politisch-investigativ-analytischer Essay – von Andreas Manousos

Gestern, am 22. März 2026, am Flughafen London Stansted, war die Lage angespannt. Schwer bewaffnete Polizeipatrouillen, sichtbare Nervosität, kurze Antworten. In einem Gespräch mit einem Beamten zeigte sich, wie dünn die Nerven geworden sind.

Diese Beobachtung ist subjektiv. Der Kontext ist es nicht.

Seit dem 28. Februar 2026 greifen die Vereinigten Staaten und Israel den Iran an. Was als begrenzte Operation dargestellt wurde, hat sich zu einer Eskalation entwickelt, die in den nächsten Stunden eine neue Qualität erreicht.

Donald Trump hat ein 48-Stunden-Ultimatum gestellt. Wird die Straße von Hormus nicht vollständig geöffnet, sollen iranische Kraftwerke zerstört werden. Das Ultimatum läuft in der Nacht zum 24. März 2026 gegen 01:45 Uhr MEZ ab.

Mit dieser Drohung wird die Energieversorgung eines Staates zum direkten Ziel politischer Gewalt.

Die Tragweite dieser Entscheidung ist absehbar.

Die Golfregion gehört zu den wasserärmsten Räumen der Welt. Große Teile der Trinkwasserversorgung hängen an energieintensiven Entsalzungsanlagen. Fällt die Energieversorgung aus, gerät die Wasserversorgung unter Druck.

Damit entsteht ein Eskalationsmechanismus, der weit über militärische Zielsysteme hinausreicht.

Und genau an diesem Punkt stellen sich Fragen, die sich nicht mehr hinter diplomatischen Formeln verstecken lassen:

Was wollen die USA und Israel eigentlich noch?

Welches Ziel rechtfertigt eine Eskalation, deren Folgen absehbar die zivile Versorgung ganzer Regionen betreffen können?

Hat die Trump-Administration noch die Kontrolle über die Konsequenzen ihres Handelns?

Ist sich die israelische Regierung unter Benjamin Netanjahu der Tragweite ihres Vorgehens bewusst?

Denn wer die Energieinfrastruktur eines Landes angreift, setzt eine Kettenreaktion in Gang.

Diese Kettenreaktion betrifft nicht nur den Iran.

Sie betrifft die gesamte Region – und darüber hinaus.

Die Straße von Hormus ist einer der wichtigsten Energie-Knotenpunkte der Welt. Ein erheblicher Teil der globalen Öl- und Gasströme verläuft durch diese Passage.

Eine Eskalation in diesem Raum trifft unmittelbar die großen Energieabnehmer in Asien. China und Indien sind in erheblichem Umfang abhängig von diesen Lieferketten.

China hat die Angriffe kritisiert. Russland ebenfalls.

Damit entsteht eine Lage, in der mehrere Großmächte indirekt betroffen sind, während Washington und Jerusalem weiter eskalieren.

Die militärische Realität hat sich bereits verändert.

Iranische Raketen trafen Ziele bei Arad und Dimona. Die Tatsache, dass diese Einschläge nicht vollständig verhindert werden konnten, hat eine neue Wahrnehmung von Verwundbarkeit geschaffen.

Gleichzeitig wird der Krieg politisch weiter vorangetrieben.

Die offizielle Begründung verweist auf das iranische Atomprogramm und Sicherheitsinteressen.

Doch aus internen US-Briefings wurde bekannt, dass keine konkreten Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Erstschlag Irans gegen US-Truppen vorlagen.

Damit liegt die Eskalation nicht in einer akuten Zwangslage, sondern in einer politischen Entscheidung.

Und genau hier beginnt die Verantwortung.

Die Verantwortung der Vereinigten Staaten unter Donald Trump liegt darin, eine Eskalation voranzutreiben, deren Konsequenzen bekannt sein müssen.

Die Verantwortung der israelischen Regierung unter Benjamin Netanjahu liegt darin, diesen Kurs aktiv mitzutragen und militärisch umzusetzen.

Die Verantwortung der deutschen Bundesregierung unter Friedrich Merz liegt darin, diesen Kurs politisch zu flankieren, ohne ihn klar zu begrenzen.

Deutschland ist nicht neutral.

Deutschland ist seit Jahren einer der wichtigsten Waffenlieferanten Israels.

Gleichzeitig wird politisch so gesprochen, als stünde man außerhalb des Konflikts.

Diese Diskrepanz ist kein Detail.

Sie ist Teil des Problems.

Der von mir veröffentlichte Bericht „Die geraubte Perle“ hat gezeigt, dass die heutige Lage ohne die Eingriffe von 1953 und die Fehlentscheidungen rund um 1979 nicht zu verstehen ist.

Die damalige Zerstörung politischer Strukturen im Iran und die spätere Fehlbewertung der Entwicklungen haben Voraussetzungen geschaffen, die bis heute wirken.

Die aktuelle Eskalation knüpft an diese Linie an.

Sie ist nicht isoliert.

Sie ist Teil einer Entwicklung, in der politische Entscheidungen wiederholt zu langfristigen Destabilisierungen geführt haben.

Mit dem Ultimatum, das in wenigen Stunden ausläuft, wird eine weitere Schwelle erreicht.

Es geht nicht mehr nur um militärische Überlegenheit.

Es geht um Systeme, die die Grundlage des täglichen Lebens bilden.

Energie. Wasser. Versorgung.

Wer diese Systeme zum Ziel macht, verlässt den Bereich begrenzter Konflikte.

Und genau hier stellt sich die letzte, entscheidende Frage:

Wer übernimmt die Verantwortung für die Folgen einer Eskalation, die sich nicht mehr kontrollieren lässt?

 

Quellenverzeichnis:

1.      Reuters: Trump droht Iran mit Angriffen auf Kraftwerke wegen Hormus – https://www.reuters.com/world/middle-east/trump-threatens-iran-with-power-plant-strikes-over-hormuz-blockade-2026-03-22/

2.      Reuters: Iran kündigt vollständige Schließung der Straße von Hormus an – https://www.reuters.com/world/middle-east/iran-completely-close-hormuz-if-trump-executes-threats-iranian-energy-2026-03-22/

3.      Reuters: Iranische Raketen treffen Ziele im Süden Israels (Arad/Dimona) – https://www.reuters.com/world/middle-east/scores-hurt-after-iranian-missiles-hit-israeli-desert-towns-2026-03-22/

4.      Associated Press: Analyse zur Eskalation USA–Israel–Iran – https://apnews.com/article/16cc60862529b873666ce4c1f6529d78

5.      U.S. Energy Information Administration (EIA): Iran Country Analysis Brief – https://www.eia.gov/international/content/analysis/countries_long/iran/

6.      U.S. EIA: Strait of Hormus – globaler Energie-Chokepoint – https://www.eia.gov/international/content/analysis/special_topics/World_Oil_Transit_Chokepoints/

7.      World Bank: Wasserknappheit in den Golfstaaten (GCC) – https://www.worldbank.org/en/news/press-release/2024/12/01/non-oil-sectors-drive-robust-growth-in-gcc-countries

8.      Al Jazeera: Schäden an Entsalzungsanlage in Bahrain – https://www.aljazeera.com/news/2026/3/8/bahrain-says-water-desalination-plant-damaged-in-iranian-drone-attack

9.      Los Angeles Times: Entsalzung als kritische Infrastruktur im Golf – https://www.latimes.com/world-nation/story/2026-03-08/oil-built-persian-gulf-desalinated-water-keeps-it-alive-war-threatens-both

10.  AP: Bedeutung der Entsalzung für die Wasserversorgung im Nahen Osten – https://www.wral.com/news/ap/12b23-oil-built-the-persian-gulf-desalinated-water-keeps-it-alive-war-could-threaten-both/

11.  Israel State Comptroller: Bericht zur Wasserinfrastruktur Israels – https://library.mevaker.gov.il/sites/DigitalLibrary/Pages/Reports/7845-14.aspx

12.  Reuters: Pentagon-Briefing – keine Hinweise auf iranischen Erstschlag – https://www.reuters.com/world/us/pentagon-tells-congress-no-sign-iran-planned-immediate-attack-2026-03-02/

13.  Reuters: China fordert Ende der Militäraktionen im Iran – https://www.reuters.com/world/asia-pacific/china-urges-immediate-ceasefire-after-us-israel-strike-iran-2026-03-01/

14.  Reuters: Russland sieht keine Beweise für iranisches Atomwaffenprogramm – https://www.reuters.com/world/europe/russia-says-no-evidence-iran-developing-nuclear-weapons-2026-03-03/

15.  GOV.UK: Sicherheitsmaßnahmen im Vereinigten Königreich wegen Iran-Konflikt – https://www.gov.uk/government/speeches/prime-ministers-oral-statement-on-iran-2-march-2026

16.  Washington Post/AP: Festnahmen in London wegen Iran-Spionageverdachts – https://www.washingtonpost.com/world/2026/03/06/britain-iran-spying-jewish/

17.  Reuters: Deutschland beteiligt sich nicht militärisch am Iran-Krieg – https://www.reuters.com/world/middle-east/germanys-merz-we-will-not-participate-iran-war-2026-03-16/

18.  Reuters: Merz sieht keinen klaren Plan für ein Ende des Iran-Kriegs – https://www.reuters.com/world/europe/germanys-merz-sees-no-plan-bringing-iran-war-swift-end-2026-03-10/

19.  ZDFheute: Kritik an Merz-Aussage zur „Drecksarbeit“ – https://www.zdfheute.de/politik/merz-israel-iran-drecksarbeit-100.html

20.  Tagesschau: Debatte über deutsche Rolle im Iran-Konflikt – https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/merz-drecksarbeit-debatte-102.html

21.  U.S. State Department (FRUS): Dokumente zum Iran-Putsch 1953 – https://history.state.gov/historicaldocuments/frus1951-54Iran/d307

22.  AP News: CIA bestätigt Rolle beim Iran-Putsch 1953 – https://apnews.com/article/218323db3cc1aca6bde1e54827527e8d

23.  American Presidency Project: Carter „Island of Stability“ Rede – https://www.presidency.ucsb.edu/documents/toasts-the-president-and-the-shah-state-dinner-tehran-iran

24.  Middle East Institute: Analyse zur Guadeloupe-Konferenz 1979 – https://www.mei.edu/publications/enduring-myths-1979-iranian-revolution

25.  S&P Global: Indiens Abhängigkeit von Energieimporten über Hormus – https://www.spglobal.com/commodityinsights/en/market-insights/latest-news/oil/030326-india-assures-uninterrupted-oil-product-supply-crude-diversification-offers-cushion_

 

 

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