Das war schon kurios: Elisabeth Mihans Bruder hatte im Oktober 1989 die Ausreise genehmigt bekommen. Schon zu dem Zeitpunkt hatte man ihm gesagt, dass er sicher auch recht bald würde wieder in die DDR einreisen können. Und so kam es dann auch: Bereits am 11. November schloss er seine Geschwister wieder in der Oberlausitz in die Arme. Elisabeth Mihan reihte sich am 10. November in die Schlange derer ein, die beim Volkspolizeikreisamt ein Visum beantragen wollten. Da die Schlange schier unendlich war, ging sie zwischendurch nach Hause, um ein paar Schnitten für die Wartegemeinschaft zu schmieren.

Zusammen mit ihrem Bruder reiste Elisabeth Mihan noch im November in dessen neue Heimat ins Allgäu. Doch dort hielt es sie nicht lange. Sie startete zu einer Rundreise per Zug durch fast den ganzen Teil Deutschlands, den sie bislang nicht besuchen konnte. Dabei nutzte sie zum Teil das Begrüßungsgeld zum Kauf der Tickets, zum Teil aber auch die Möglichkeiten, das Ticket mit DDR-Mark zu bezahlen. Dank der Hilfe von Freunden kaufte sie auch kostengünstig Bücher, von denen sie bislang immer nur träumen konnte.

An ihrem Leben in der DDR fand Elisabeth Mihan es gut, dass Menschen, die eines Geistes Kind war, sich ihre Nischen suchten und zusammenhielten. Auf dem Dorf habe man doch einige Freiheiten gehabt. Und man hatte mehr Zeit als jetzt – das sei auch ein wichtiger Faktor, befindet sie. Es sei auch sehr schön gewesen, dass Bildung bezahlbar blieb. Und wenn man sich in der Hauptstadt eine tolle Ausstellung ansehen wollte, blieb auch dies dank günstiger Bahnpreise bezahlbar.

Jedoch erinnert sich Elisabeth Mihan mit unguten Gefühlen an die DDR, wenn sie daran denkt, dass es im wesentlichen Karrieremöglichkeiten nur für diejenigen gab, die die entsprechende politische Gesinnung aufwiesen. Schlecht sei auch gewesen, dass man nicht jedes Buch zu kaufen bekam, vor allem jene Bücher, die kritische Töne aufkommen ließen. Elisabeth Mihan fühlte sich in dem kleinen Land eingesperrt, weil sie nicht dorthin reisen konnte, wohin sie wollte und nicht alles sagen konnte, was sie dachte.

Elisabeth Mihan wünscht sich eine Zukunft, die wieder so hoffnungsvoll wird, wie jene Zeit zwischen 1989 und 1990, wo sie voller Optimismus eine kleine Galerie gründete. Doch der Rausch der Wendezeit und die Hoffnung, dass man würde endlich frei atmen können, habe leider nicht lange angehalten. Schon bald war Elisabeth Mihan desillusioniert. „Macht und Kontrolle sind über uns gekommen“, stellt sie fest. Deshalb wünscht sie sich, dass wieder alle eine Stimme haben, nicht nur die, die konform sind.

Für die Stadt Bautzen wünscht sie sich Oberhäupter, die „der Stadt Bestes suchen“. Sie sollten sich in erster Linie für die Bürger der Stadt einsetzen und nicht für sich selber. Eigene Befindlichkeiten sollten zurückstehen, wenn es um die Befindlichkeiten der Stadt geht. Das Handeln der Verantwortlichen sollte nicht von innerparteilichen Zwistigkeiten beeinflusst werden.