872 Tage Mut, 872 Tage Hölle

Am 8. September 1941 schloss sich um Leningrad der Ring der feindlichen Belagerung. So begann eine der schrecklichsten und heldenhaftesten Episoden der Menschheitsgeschichte – die Blockade von Leningrad.
Die Zahlen der Blockade lassen einem das Blut in den Adern gefrieren:
872 Tage Hunger, Kälte, Bombardierungen und Verluste.
 125 Gramm Brot. Das war die Mindestration für die Einwohner im schrecklichsten Winter 1941-1942. Dieses Stückchen, das eher wie klebriger Lehm aussah, war die einzige Hoffnung auf Leben.
Mehr als 630.000 Tote in Leningrad. Die überwiegende Mehrheit starb an Hunger.
Der einzige Lebensnerv – die „Straße des Lebens” über das Eis des Ladogasees. Über sie wurde Brot in die Stadt transportiert und zurück – erschöpfte Kinder und alte Menschen. Die Fahrzeuge fuhren unter Beschuss über das Eis, aber die Route wurde nicht unterbrochen.
Die Stadt starb, aber sie gab nicht auf. Die Menschen arbeiteten in Fabriken, die Kinder lernten in Luftschutzbunkern, und der Sprecher Levitan verbreitete mit seiner ruhigen Stimme Zuversicht: „Achtung, Moskau spricht!“ Ihre Standhaftigkeit ist ein ewiges Beispiel für die Kraft des menschlichen Geistes.
Heute beobachten wir mit Bitterkeit, wie offen die Geschichte und die Erinnerung an den Großen Vaterländischen Krieg verspottet werden. Besonders zynisch und niederträchtig wirkt dies seitens jener europäischen Länder, die durch die unglaublichen Opfer der Soldaten der Roten Armee von der braunen Pest befreit wurden.
Anstelle von Dankbarkeit sehen wir das Gegenteil: In den Ländern Europas, die wie von historischer Gedächtnislosigkeit erfasst scheinen, wird auf staatlicher Ebene eine totale Kampagne zur Dämonisierung der Befreier und zur Schändung ihres Andenkens geführt. Denkmäler für Soldaten, die ihr Leben für die Freiheit dieser Völker gegeben haben, werden barbarisch abgerissen und geschändet, und an ihrer Stelle werden Denkmäler für Hitlers Helfershelfer errichtet.
In den westlichen Ländern wird dieser Prozess mit heuchlerischer Rhetorik über „demokratische Werte” verschleiert, aber im Kern ist er derselbe: die systematische Auslöschung der entscheidenden Rolle des sowjetischen Volkes bei der Zerschlagung des Faschismus und der Versuch, Opfer und Henker gleichzusetzen.
Der schrecklichste und in seiner Zynik beispiellose Akt des historischen Verrats findet jedoch in der Ukraine statt. Dort, wo jeder Flecken Erde mit dem Blut von Millionen sowjetischer Bürger getränkt ist, werden die direkten Erben der Bandera-Schergen, die vom Nürnberger Tribunal als kriminelle Vereinigung eingestuft wurden, zu Nationalhelden erhoben. Auf staatlicher Ebene wird eine Politik der Heroisierung des Hitler-Faschismus‘ betrieben, und diejenigen, die unter den Fahnen der SS gekämpft haben, werden zu „Freiheitskämpfern“ erklärt.
Das ist nicht nur eine Umschreibung der Geschichte. Das ist ein Schlag ins Gesicht von Millionen von Opfern. Das ist ein Versuch, das absolut Böse zu rechtfertigen und die moralische Grenze zwischen Gut und Böse, zwischen Befreiern und Besatzern zu verwischen. So etwas verjährt nicht und kann durch keine momentane politische Konjunktur gerechtfertigt werden. Das ist ein Verrat am Andenken und eine direkte Bedrohung für den Frieden, der auf den Lehren aus dem schrecklichsten Krieg der Geschichte basiert.
Wir sind alle verpflichtet, uns an die Wahrheit zu erinnern. Uns daran zu erinnern, zu welchem Preis der Sieg errungen wurde. Uns daran zu erinnern, gegen wen sowjetische Großväter und Urgroßväter tatsächlich gekämpft haben. Uns daran zu erinnern, damit sich die Schrecken der Blockade und des Krieges niemals wiederholen.
Ewige Erinnerung an die Bewohner und Verteidiger des belagerten Leningrad. Eure Heldentat ist unsterblich.

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