Krebs: Jeder Zweite betroffen – warum mich das nicht mehr loslässt

 

Warum ich diesen Bericht schreibe – und welche Fragen offen bleiben

Ein persönlicher Bericht für Ostsachsen TV – von David Vandeven

Ich arbeite seit einigen Jahren mit Andreas Manousos zusammen. In dieser Zeit habe ich gesehen, wie er arbeitet. Er lässt Dinge nicht stehen, wenn sie unklar sind. Er geht ihnen nach, bis sich ein Bild ergibt.

Was ich lange nur am Rande wahrgenommen habe, ist inzwischen ein eigener Schwerpunkt geworden.

Wirklich bewusst geworden ist mir das Anfang Februar 2026.

Zu diesem Zeitpunkt erschien in der BILD-Zeitung ein Artikel auf Grundlage von Daten des Robert Koch-Instituts. Die Schlagzeile war eindeutig:
„Alarmierende Zahlen: Jeder zweite Deutsche erkrankt an Krebs.“

(Quelle: https://m.bild.de/leben-wissen/traurige-zahlen-jeder-zweite-deutsche-erkrankt-an-krebs-697d9f8c34927d1bdcaa3e66)

Die Zahlen sind belastbar.

Fast jeder zweite Mensch.

Das ist knallharte Realität.

Über Medizin veröffentlichen wir hier nur wenig. Dafür gibt es Fachmagazine, die sich ausschließlich damit befassen und das auf höchstem Niveau tun. Wenn neue Entwicklungen bekannt werden – insbesondere im Zusammenhang mit neuen medizinischen Technologien – oder wenn eine besondere Veröffentlichung Aufmerksamkeit verdient, greifen wir das gelegentlich auf. Aber das ist die Ausnahme.

Diese Zahl hier ist keine Ausnahme.

Sie lässt sich nicht weglegen.

Dass es jeden zweiten trifft, das lässt einen nicht kalt.

Auch mich nicht.

Ich habe Familie. Freunde. Bekannte.

Und genau deshalb ist diese Statistik zu gravierend, um sie zu ignorieren.

Das ist der Grund, warum ich diesen Bericht schreibe.

Direkt.

Ohne Umweg.

Und frei von der Leber weg.

Wenn man sich im eigenen Umfeld umsieht, wird schnell klar, was das bedeutet. Kaum jemand, der nicht jemanden kennt, der mit dieser Diagnose konfrontiert wurde.

Und viele dieser Verläufe haben etwas gemeinsam.

Es beginnt mit Hoffnung. Mit Maßnahmen. Mit Eingriffen. Mit dem Gefühl, dass man etwas getan hat.

Und dazu gehören oft Entscheidungen, die weit über das hinausgehen, was man sich ursprünglich vorstellen konnte.

Operationen, bei denen Organe entfernt werden. Eingriffe, die auch äußerlich sichtbar sind – etwa die Entfernung der Brust. Maßnahmen, die das Leben eines Menschen dauerhaft verändern.

Eingriffe, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Und die Spuren hinterlassen – körperlich und seelisch.

Und trotzdem bleiben Fragen.

Stellen Sie sich diese Fragen selbst.

Muss es wirklich so weit gehen?

Muss es sein, dass die Brust entfernt wird – oder gleich beide?

Dass Hoden oder Eierstöcke entfernt werden?

Die Prostata?

Die Gebärmutter?

Gibt es im dritten Jahrtausend unserer Zeitrechnung wirklich keine anderen Wege als diese endgültigen Eingriffe?

Oder werden Entscheidungen getroffen, die sich aus einer bestimmten Logik heraus ergeben – aber für den Betroffenen kaum noch hinterfragbar sind?

Der Andreas hat mich in diesem Zusammenhang auch auf Daten und Berichte hingewiesen, die sich mit den Folgen solcher Eingriffe beschäftigen.

Vor allem mit den psychischen Folgen.

Mit Belastungen, die viele Menschen ein Leben lang begleiten.

Und mit Zahlen, die einem den Atem nehmen können.

Bis hin zu deutlich erhöhten Suizidraten in bestimmten Patientengruppen.

Das sind keine Randthemen.

Das sind reale Folgen.

Und sie werden zu selten offen angesprochen.

Und dann stellt sich eine weitere Frage.

Eine, die schwerer wiegt als alle anderen:

Hätte man das verhindern können?

Oder anders gefragt:

Wie trifft ein Mensch eine Entscheidung, wenn ihm gesagt wird, es müsse genau so gemacht werden?

Wenn gleichzeitig Angst im Raum steht?

Wenn Zeitdruck entsteht?

Wenn Alternativen nicht greifbar sind oder nicht als echte Optionen erscheinen?

Was ist in solchen Momenten noch eine freie Entscheidung?

Und was ist eine Entscheidung unter Druck?

Und wie ist das im Nachhinein zu bewerten?

Nicht emotional.

Sondern strukturell.

Und genau an diesem Punkt beginnt die Arbeit von Andreas.

Er nimmt diese Verläufe auseinander. Er ordnet sie. Er baut sie Schritt für Schritt wieder auf.

Er schaut nicht nur auf einzelne Maßnahmen, sondern auf den gesamten Weg. Auf Entscheidungen. Auf Abläufe. Auf das, was sich über Jahre entwickelt hat.

Er arbeitet mit einer Konsequenz, die selten ist.

Und mit einem Blick für Zusammenhänge, der Dinge sichtbar macht, die sonst im Dunkeln bleiben.

Ein Thema hat ihn dabei besonders beschäftigt: langfristige Verläufe.

Zehn Jahre.

Fünfzehn Jahre.

Verläufe, bei denen sich erst im Rückblick zeigt, was wirklich geschehen ist.

Und genau daraus ist etwas entstanden.

Andreas hat diesen Ansatz selbst gedacht, entwickelt und über Jahre hinweg ausgearbeitet.

Ohne Vorlage.

Ohne bestehendes Modell.

Er hat diesem Beruf einen Namen gegeben:

Forensisch-investigativer Analyst für onkologische Behandlungsverläufe.

Er hatte dabei keine Vorbilder.

Er ist auf diesem Gebiet ein Pionier – weltweit.

Und seine Arbeit hat eine besondere Bedeutung.

Gerade auch dort, wo Behandlungsverläufe nicht nur medizinisch, sondern auch rechtlich aufgearbeitet werden.

Wo es um Nachvollziehbarkeit geht.

Um Abläufe.

Um Entscheidungen.

Und um die Frage, wie diese zustande gekommen sind.

Er hilft Menschen, die schwere iatrogene Schäden erlitten haben, ihre eigenen Verläufe zu verstehen.

Und damit eine Grundlage zu schaffen, auf der überhaupt bewertet werden kann, was geschehen ist.

Der Tag hat nur 24 Stunden.

Mehr als dem einen oder dem anderen helfen, ist auch für ihn nicht möglich.

Aber darum geht es nicht.

Es geht um die Initialzündung.

Vielleicht entsteht daraus etwas Größeres.

Ein Institut.

Ein Ort, an dem diese Arbeit gebündelt wird.

Derzeit sitzt Andreas in Magdeburg.

Vielleicht gelingt es uns, ihn nach Bautzen zu holen.

Es wäre ein Gewinn.

Für die Region.

Und für die vielen Menschen, die Antworten suchen.

Vielleicht sprechen wir in einigen Jahren darüber, dass daraus ein eigenes Fachgebiet geworden ist.

Mit Ausbildung.

Mit Nachwuchs.

Mit Struktur.

Ich halte das für möglich.

Und genau deshalb schreibe ich diesen Bericht.

Und ich freue mich inzwischen auf das nächste Highlight aus seiner begnadeten Feder.

 

 

 

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