Bautzen an der Krippe


Wie eine Stadt ihre christliche Seele verspielt
Ein äußerst kritischer Beitrag – von David Vandeven

Der Andreas, der Geschichtenerzähler, und die Vergesslichkeit einer ganzen Stadt
Der Weihnachts-Essay „Der Geschichtenerzähler“, den der Andreas, mein geschätzter Kollege, geschrieben hatte, ist eines der schönsten und wahrhaftigsten Stücke, die ich je gelesen habe. Warm, still, hoffnungsvoll – und im Kern gnadenlos klar. Er erinnert daran, dass die Menschheit Milliarden Geschichten hervorgebracht hat: am Feuer, in der Stube, im Krieg, in der Not. Fast alle sind verschwunden. Eine aber ist geblieben: die Weihnachtsgeschichte.
https://www.ostsachsen-tv.com/der-geschichtenerzaehler-ein-weihnachts-essay-von-andreas-manousos/
Nicht, weil ein Staat sie verordnet hätte, nicht, weil sie in Lehrplänen steht, sondern weil Generationen von Menschen sich an ihr festgehalten haben. Weil sie etwas trägt, was keine Ideologie ersetzen kann: Sinn, Trost, Ordnung, Hoffnung.
Der Andreas bringt es im Kern auf den Punkt:
Die Weihnachtsgeschichte ist nicht relativierbar!
Sie ist nicht „eine Erzählung unter vielen“, sondern das geistige Rückgrat unserer christlich geprägten Gesellschaft. Wer an ihr formt, als wäre sie ein Designobjekt, der sägt nicht an Dekoration – der sägt am Fundament.
Genau das erleben wir gerade in Bautzen. Und zwar nicht als harmloses Versehen, sondern als Ergebnis politischer Entscheidungen und kultureller Selbstentfremdung.

Eine Krippe aus Chile – im Herzen der sorbisch-christlichen Stadt
Mitten auf dem Wenzelsmarkt, dem ältesten urkundlich erwähnten Weihnachtsmarkt Deutschlands, steht in diesem Jahr eine neue Krippe. Sie ist nicht aus der Hand eines Bautzener Holzschnitzers, nicht das Werk eines sorbischen Gläubigen, nicht aus einer einheimischen Werkstatt, in der Glaube und Tradition in Holz und Farbe übersetzt werden.
Sie stammt von einem chilenischen Künstlerpaar: Muriel Cornejo und César Olhagaray.
Die Stadt präsentiert dieses Duo stolz als „renommierte Künstler“, verweist darauf, dass sie bereits Lichtkunst in Sachsen gestaltet haben. International, weltoffen, modern – so soll es wirken.
Die Figuren aber sprechen eine andere Sprache:
kantig, sackartig, abstrakt.
Das „Christkind“ wirkt wie ein Block, ein Symbol ohne Gesicht.
Maria, Josef und die Umstehenden sind eher Körperformen als Menschen.
Es ist eine Darstellung, die überall stehen könnte – in Berlin, Barcelona, Basel. Aber gerade deshalb passt sie nicht hierher. Bautzen ist keine gesichtslose Metropole, sondern eine Stadt, in der sorbisch-christliche Tradition nicht auf Tourismusflyern erfunden wurde, sondern über Jahrhunderte gewachsen ist.
Das eigentlich Bittere: Bautzen und Umgebung sind voll von gläubigen Künstlern, Holzbildhauern, Malern, Bastlern, die in Kirchen, Gemeinden und Vereinen seit Jahrzehnten genau das tun, was eine Krippe braucht: den Glauben konkret machen. Es ist nicht plausibel, dass man niemanden gefunden hätte. Plausibel ist nur: Man hat gar nicht ernsthaft nach ihnen gesucht.
Die Botschaft, die bei vielen Christen und Traditionsbewahrern ankommt, lautet:
Eure Hände, eure Tradition, eure Symbolsprache sind zweitrangig.
Wichtiger ist, dass wir „international“ aussehen.

„Man muss das auch von zwei Seiten sehen“ – aber wer ist die andere Seite?
Seit die neue Krippe steht, hört man die altbekannte Beschwichtigungsformel:
Man müsse das „von beiden Seiten“ betrachten.
Die einen wollten es traditionell, die anderen offen, zeitgemäß, künstlerisch.
Man dürfe doch nicht so „verbohrt“ sein.
Die Frage ist: Wer sind diese beiden Seiten konkret – gerade in Bautzen?
Auf der einen Seite stehen Christen, Sorben, bürgerliche Familien, für die Weihnachten ein Fest mit klarem Inhalt ist: Gott wird Mensch, in einem Stall, in einem Kind. Die Krippe ist für sie ein Ort des Wiedererkennens. In den Gesichtern der Figuren spiegelt sich ihre eigene Kindheit, die Erzählung der Großeltern, die Christmette, das gemeinsame Gebet.
Und auf der anderen Seite?
Menschen, denen der konkrete Inhalt der Weihnachtsgeschichte weitgehend egal ist und die in der Krippe vor allem ein Feld für künstlerische Selbstdarstellung sehen?
Verwaltungs- und Kulturkreise, die sich gern modern, international, „zeitgemäß“ inszenieren und für die traditionelle christliche Bildsprache eher Ballast als Schatz ist?
Diese beiden „Seiten“ sind nicht gleich tief verwurzelt.
Die eine Seite hat hier Geschichte, Gräber, Kirchen, Bräuche.
Die andere Seite bringt vor allem Deutungshoheit und Zeitgeist mit.
Die viel beschworene „Balance“ zwischen Tradition und Moderne verläuft in der Praxis fast immer in eine Richtung: Tradition weicht zurück, Moderne setzt sich durch. Und wer das kritisiert, landet schnell in der Schublade „populistisch“ oder „rechts“. Ein bequemes Schema – aber kein ehrlicher Dialog.

Bautzen – Stadt des Friedens, Stadt der Kirchen, Stadt der Krippe
Bautzen schmückt sich gern mit dem Frieden von 1018. Eintausend Jahre Friedensgeschichte. Das ist keine erfundene PR-Story, das ist europäische Wirklichkeit: Hier wurde ein Konflikt beendet, in einer Zeit, in der christliche Werte – Schwur, Vertrag, Gottesfurcht – als Maßstab galten.
Bis heute ist Bautzen sichtbar christlich geprägt:
Türme, Kirchen, das sorbische Leben, Osterreiten, Prozessionen, Gottesdienste, Kinderchöre. Der Wenzelsmarkt ist kein neutrales Lichterfest, sondern seit Jahrhunderten ein Weihnachtmarkt – im Wortsinn.
Im Zentrum dieses Festes steht die Krippe.
Sie ist kein „nice to have“-Element, sondern die verdichtete Darstellung dessen, worum es eigentlich geht.
Wer ausgerechnet hier zum global austauschbaren Formenspiel greift, behandelt nicht einfach Kunst frei – er behandelt den eigenen geistigen Kern wie beliebiges Material.

Die Rolle der CDU – das „C“ nur noch als Reklame?
Dass die Verwaltung ein chilenisches Künstlerpaar beauftragt hat, ist der eine Schritt. Der zweite ist politisch: Im Stadtrat wurde ein Antrag gestellt, der darauf hinauslief, die abstrakte Krippe nicht in dieser zentralen, dominanten Form im Mittelpunkt des Marktes zu belassen, sondern sie von dort wegzunehmen. Der Antrag kam von der AfD.
Man muss keine Sympathie für die AfD haben, um zu erkennen: In der Sache stand dieser Antrag auf der Seite derer, die die traditionelle, verständliche, christlich geerdete Bildsprache schützen wollten.
Abgelehnt wurde der Antrag von:
CDU, Freien Wählern und SNB.
Oberbürgermeister Karsten Vogt – CDU.
Eine CDU, die in der sorbisch-christlich geprägten Stadt Bautzen schon durch den Umgang mit dem Abwahlantrag schwere Vertrauensschäden verursacht hat, liefert sich hier den zweiten größeren Fauxpas in Folge: Erst die Abwahl-Groteske, jetzt die Krippen-Entkernung.
Beides hat eine Gemeinsamkeit: Das bürgerliche Milieu, das sich auf Werte, Verlässlichkeit und Respekt vor gewachsenen Strukturen stützt, fühlt sich von „seiner“ Partei verraten.
Man muss es so klar sagen:
Wenn eine Partei, die sich Christlich Demokratische Union nennt, in einer Stadt wie Bautzen nicht einmal mehr bereit ist, beim sichtbarsten Weihnachtssymbol auf der Seite klarer Tradition zu stehen – wofür steht dieses „C“ dann noch?
Als nostalgischer Schriftzug?
Als Marketing-Etikett, hinter dem längst eine andere Agenda gefahren wird?
Als Fassade, hinter der sich ein atheistisch-säkularer Kurs versteckt, der mit den eigenen Wurzeln nichts mehr zu tun hat?
Das ist keine Verschwörungstheorie. Es ist eine nüchterne Feststellung:
Worte und Taten fallen immer weiter auseinander.

Geld für die ganze Welt – und innere Armut vor der eigenen Krippe
Gleichzeitig erleben wir auf Bundes- und EU-Ebene eine Entwicklungspolitik, in der Millionen nach außen fließen: Radwege in Peru, Programme gegen Genitalverstümmelung in Afrika, Klima- und Genderprojekte rund um den Globus. Viele dieser Projekte mögen im Einzelnen moralisch gut begründet sein. Aber sie erzählen etwas über Prioritäten.
Für globale Symbolpolitik ist immer Geld da, immer Energie, immer moralische Pose.
Wenn es aber darum geht, im eigenen Land den christlich geprägten inneren Kern sichtbar zu halten, herrscht Unsicherheit, Scham, Ausweichbewegung.
In Bautzen verdichten sich diese verschobenen Prioritäten in einer simplen Szene:
Die Stadt bezahlt eine ausländische, abstrakte Designer-Krippe im Herzen eines uralten christlichen Marktes – und verweigert zugleich einem klar traditionellen Ansatz den politischen Schutz.
Das ist mehr als eine Geschmacksfrage. Es ist ein Bekenntnis – nur in die falsche Richtung.

Dekadenz oder Dummheit – oder beides?
Die Frage, die sich aufdrängt, ist unbequem:
Ist das, was hier passiert, bloß politisch kurzsichtig – oder bereits Ausdruck einer Dekadenz, in der eine Gesellschaft ihre eigenen Wurzeln nicht mehr erträgt?
Eine gesunde, selbstbewusste Stadt würde die Krippe als Tabuzone begreifen.
Hier wird nicht gespielt.
Hier wird nicht experimentiert.
Hier wird bekannt.
Die Krippe ist der Ort, an dem eine Stadt sagt:
Wir wissen, woher wir kommen.
Wir wissen, was uns trägt.
Wir wissen, warum es dieses Fest überhaupt gibt.
In Bautzen dagegen wird die Krippe zur Leinwand eines global austauschbaren Kunstverständnisses. Und eine CDU, die sich einmal als Schutzmacht des bürgerlich-christlichen Lagers verstanden hat, steht im zweiten großen Konflikt binnen kurzer Zeit auf der Seite jener, die entkernen statt bewahren.

Was muss noch passieren, bevor jemand „Halt“ sagt?
Die entscheidende Frage ist nicht, ob einem persönlich diese oder jene Figur gefällt. Kunst kann gefallen oder nicht – das ist normal.
Die entscheidende Frage lautet:
Gibt es in dieser Stadtverwaltung, in dieser Stadtratsmehrheit, in dieser CDU überhaupt noch Bereiche, in denen man sagt: „Hier ziehen wir eine Linie. Hier geht es nicht mehr um Geschmack, hier geht es um Ehrfurcht.“?
Wenn selbst die Krippe nicht mehr dazu gehört, dann bleibt nicht mehr viel, was unantastbar wäre. Dann ist wirklich alles nur noch Material für Diskurs, Design, Debatte. Dann wird aus Glauben Kulisse, aus Bekenntnis Dekoration.
Wer bürgerliche Werte ernst nimmt, darf das nicht durchgehen lassen.
Schärfer zu werden heißt in dieser Lage nicht „extrem“ zu werden, sondern wieder klar zu unterscheiden zwischen dem, was verhandelbar ist – und dem, was nicht.
Die Krippe ist nicht verhandelbar.
Die Weihnachtsgeschichte ist nicht verhandelbar.
Die sichtbare, verständliche, menschennahe Darstellung des Christuskindes im Zentrum einer christlich geprägten Stadt ist nicht verhandelbar.

Fragen, denen sich die Verantwortlichen stellen müssen
Damit wird es konkret – sehr konkret:
Warum wurde zuerst ein chilenisches Künstlerpaar beauftragt, statt öffentlich und transparent lokale, gläubige, sorbische und bürgerliche Künstler einzuladen, ihre Entwürfe einzubringen?
Welche Gespräche fanden mit den Kirchen, mit sorbischen Vertretern, mit den Gemeinden statt, bevor diese Entscheidung fiel?
Wie rechtfertigt die CDU-Fraktion – inklusive Oberbürgermeister Vogt – ihre Ablehnung eines Antrags, der faktisch darauf zielte, diese abstrakte Krippe aus der zentralen Schlüsselfunktion zu nehmen, in einer Stadt, deren Identität christlich-sorbisch geprägt ist?
Ist jemand in der CDU bereit, offen zu sagen, wo für diese Partei in Bautzen die roten Linien liegen – oder gibt es faktisch keine Tabuzonen mehr, sobald „moderne Kunst“ oder „Weltoffenheit“ ins Spiel kommt?
Und die entscheidende Frage dahinter:
Wer will in Bautzen an das christlich-traditionelle Eingemachte – und warum lässt man ihn gewähren, obwohl es bereits der zweite große Vertrauensbruch in kurzer Folge ist?
Ostsachsen TV wird diese Fragen weiter stellen.
Der Andreas hat im „Geschichtenerzähler“ eine Messlatte gelegt, die nicht verhandelbar ist: Man verbiegt die Weihnachtsgeschichte nicht. Man misst sich an ihr.
Wer in Bautzen Verantwortung trägt – in der Verwaltung, im Stadtrat, in der CDU –, wird sich daran messen lassen müssen, ob er die Krippe als heiligen Ort begreift oder als Spielzeug des Zeitgeistes.

Quellen (Auswahl, Stand: 30.11.2025)
https://www.ostsachsen-tv.com/der-geschichtenerzaehler-ein-weihnachts-essay-von-andreas-manousos/
https://www.bautzenerbote.de/die-selbstverleugnung-der-tradition/
https://www.wenzelsmarkt-bautzen.de/
https://kulturstiftung.org/zeitstrahl/der-frieden-von-bautzen
https://www.cdu-stadt-bautzen.de/personen/karsten-vogt-1
https://www.bmz.de/de/aktuelles/fragen-an-das-entwicklungsministerium/deutschland-finanziert-radwege-peru
https://www.rnd.de/wirtschaft/deutschland-zahlt-radwege-in-peru-warum-wird-die-finanzierung-verteidigt-CKETSBEE25CT5NM5LQDKV62KBU.html
https://www.bmz.de/resource/blob/23728/5735340fd66d2073ae8462bdd14660dc/strategiepapier350-female-genital-mutilation-data.pdf

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