Vom Schnitzel bis zur Salami: 15.300 TonnenFleisch landen im Kreis Bautzen pro Jahr auf dem Teller

Vom Schweinekotelett bis zum Hähnchenschnitzel: Im Landkreis Bautzen werden pro Jahr rund 15.300 Tonnen Fleisch gegessen – rein statistisch jedenfalls. Denn im Schnitt lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch bei zuletzt 51,6 Kilo im Jahr – und damit bei gut 140 Gramm am Tag. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hingewiesen. Die NGG Dresden-Chemnitz beruft sich dabei auf Zahlen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL).

„Die Menge an Fleisch, die auf den Teller kommt, wird weniger: Der Pro-Kopf-Verzehr geht seit Jahren kontinuierlich zurück. Trotzdem bleibt Fleisch ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Und dahinter steckt immer auch die Arbeit von Menschen“, sagt Thomas Lißner. Der Geschäftsführer der NGG Dresden-Chemnitz lenkt damit den Blick auf die Fleischproduktion: Neben der Haltung der Tiere sei auch deren Schlachtung und die Fleischverarbeitung ein „entscheidender Aspekt, den viele gerne ausblenden“, so Lißner.

Ein wichtiger Punkt sei dabei der Lohn: „Es geht darum, was die Menschen verdienen, die dafür sorgen, dass Filets, Salami, Kochschinken oder Leberwurst auf den Tisch kommen“, sagt Thomas Lißner. Der Geschäftsführer der NGG Dresden-Chemnitz kritisiert, dass die Fleischindustrie immer noch eine Niedriglohnbranche ist.

„Wer Tiere schlachtet oder Grillwürste verpackt, verdient selbst nur einen Hungerlohn. Oft sogar nur den gesetzlichen Mindestlohn – aktuell also 12,82 Euro pro Stunde. Nur wer Glück hat, liegt ein paar Cent drüber“, so Thomas Lißner. Doch mit der „Arbeit zum absoluten Billiglohn“ müsse jetzt Schluss sein. Deshalb fordert die NGG Dresden-Chemnitz mindestens 14,50 Euro pro Stunde als Untergrenze bei der Bezahlung für die Branche.

Insgesamt sind im Landkreis Bautzen nach Angaben der NGG aktuell rund 740 Menschen in der Fleischindustrie beschäftigt. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Angaben der Arbeitsagentur. Hinter der Fleischproduktion stecke eine harte Arbeit: „Das ist ein Knochenjob. Allein beim Zerlegen von Schweinehälften wuchten die Beschäftigten eine tonnenschwere Last am Tag: Eine Schweinekeule wiegt zwischen 5 und 10 Kilogramm. Und in einer Schicht trägt ein Zerleger mehr als 200 Mal Keulen aufs Produktionsband“, erklärt Lißner.

Außerdem machten Hitze und Nässe den Beschäftigten im Schlachtbetrieb und bei der Fleischverarbeitung zu schaffen. „Ebenso die Kälte im Kühlhaus. Das ist eine Arbeit bei ständig kalten 2 bis 3 Grad“, so Thomas Lißner. Auf Dauer sei das für die Beschäftigten eine enorme gesundheitliche Belastung.

Auch deshalb sei es höchste Zeit, die Arbeit in der Fleischindustrie „endlich besser zu bezahlen“. Die Gewerkschaft NGG werde jetzt alles tun, um ein Lohn-Plus am Tariftisch durchzusetzen: 14,50 Euro pro Stunde soll der neue Mindestlohn der Branche sein. Die Tarifverhandlungen für die Fleischindustrie starten Anfang Februar (Hinweis f.d. Red.: Donnerstag, 6. Februar 2025).

Discover

Sponsor

spot_imgspot_img

Latest

Die Stunde der Entzauberung – Wie Giorgia Meloni im UN-Saal Deutschlands moralische Maske ins Wanken brachte

Ein diplomatisches Beben im Glaspalast – und warum das Schweigen der deutschen Leitmedien leiser, aber nicht weniger beredt ist Von Andreas Manousos Es war kein Sturm,...

Ist Minsk der Schlußstein im NATO-Limes gen Osten?

Nach dem Besuch des wenig gewinnenden amerikanischen Außenministers Pompeo letzte Woche in Wien, verfiel der österreichische Außenminister Alexander Schallenberg bei seinem Interview mit ZIB 2...

Bautzen an der Krippe

Wie eine Stadt ihre christliche Seele verspieltEin äußerst kritischer Beitrag - von David Vandeven Der Andreas, der Geschichtenerzähler, und die Vergesslichkeit einer ganzen StadtDer Weihnachts-Essay...

Im Sommer klingt’s im Findlingspark

  Der Sommer beschert den Besuchern des Findlingsparks Nochten nicht nur Blüten, Düfte und Farbenpracht, sondern auch einige musikalische Highlights. Am Sonntag, den 26.06.2022, ist die Neue...

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Gedenken am 75. Jahrestag der Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 am 13. Februar 2020 in Dresden

Vor wenigen Monaten, am 1. September, stand ich im Morgengrauen auf dem Marktplatz einer kleinen Stadt in Polen: Wieluń, den meisten Deutschen wenig bekannt. Gemeinsam mit...