Bautzen. Zum 3. Streiktag bei Bautz’ner Senf ist es erstmals seit Beginn der Streikwoche zu einem Kontakt zwischen Arbeitgeberseite und der Gewerkschaft gekommen. Die Arbeitgeberseite nahm mit der Gewerkschaft Kontakt auf und erneuerte ihr altes Angebot. Die NGG hat dieses aber bereits als unzureichend ablehnt und deshalb zum Streik aufgerufen. Die Gewerkschaft schlug jedoch vor, in dieser Woche noch mit einem Tarifgespräch zu starten, um mögliche Lösungswege zu suchen.

Die Arbeitgeberseite sieht mit ihrem Vorschlag eine schrittweise Erhöhung der Entgelte bis 2022 von 215 Euro bis 230 Euro für die unteren Lohngruppen vor und will einen Tarifvertrag bis 2025. Die Gewerkschaft fordert eine Erhöhung um 310 Euro bis 2022. Dieser Tarifabschluss wurde auch bei einem anderen Betrieb der Ernährungsindustrie Sachsen erzielt. Andere erhalten wesentlich höhere Tarifsteigerungen.

„Wir sind zu Gesprächen bereit und können sofort damit starten. Die Frage ist, ob das Unternehmen dazu bereit ist. Falls nicht, haben wir eine Fortsetzung des Arbeitskampfes mit verschiedenen Aktionen in Planung. Die Streikenden sind entschlossen“, so Olaf Klenke, NGG-Verhandlungsführer.

Unterstützung erhielten die Streikenden heute auf der Lausitzkonferenz in Hoyerswerda des Deutschen Gewerkschaftsbundes von zahlreichen Betriebs- und Personalräten aus verschiedenen Branchen. Sie unterzeichneten eine Protestkarte an den Firmeneigner Durach, dessen Familie die Develey-Gruppe besitzt, zu der auch Bautz’ner Senf gehört. Der Beauftragte des brandenburgischen Ministerpräsidenten für die Lausitz, Klaus Freytag, würdigte das regionale Produkt.

Hintergrund:

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten fordert, bei Bautz’ner Senf die Löhne und Gehälter bis September 2022 um 310 Euro anzuheben. Dazu ist das Unternehmen nicht bereit. Die Lohnabstände zu anderen Betrieben der Unternehmensgruppe Develey, zu der Bautz’ner Senf gehört, reichen im monatlichen Entgelt bei Facharbeitern von 694€ beim Werk in Dingolfing (Niederbayern) bis zu 941€ bei Löwensenf in Düsseldorf. Neben dem Abbau der Lohnunterschiede West fordert die Gewerkschaft, die untere Lohngruppe auf mindestens 12 Euro zu erhöhen, um armutsfeste Löhne zu erreichen. Die anderen Lohngruppen sollen entsprechend angepasst werden.

Die Eigentümerfamilie Durach, die das Unternehmen nach der Wende gekauft hat und dem die Unternehmensgruppe Develey gehört, zählt zu den 1.000 reichsten Deutschen mit einem geschätzten Vermögen von 250 Millionen Euro.