Revolution in der Transplantationsmedizin – Gedruckte Organe aus patienteneigenen Stammzellen bald Realität
Ein Bericht über einen gewaltigen medizinwissenschaftlichen Durchbruch – von Andreas Manousos
Die Medizin steht möglicherweise vor dem größten Umbruch seit Jahrzehnten: In einem Forschungslabor im texanischen Austin ist es einem Wissenschaftlerteam erstmals gelungen, innerhalb von nur 28 Minuten eine vollständig funktionsfähige, menschliche Leber zu drucken. Dabei handelt es sich keineswegs nur um simples Gewebe oder ein vereinfachtes Modell, sondern um ein komplexes, lebendes Organ, durchzogen von feinstem Gefäßnetzwerk und ausgestattet mit der vollen biologischen Funktionalität einer echten menschlichen Leber.
Hinter diesem spektakulären Durchbruch steht eine innovative Methode, das sogenannte „volumetrische Bioprinting“. Im Gegensatz zu herkömmlichen 3D-Druckverfahren, die Zellen mühsam Schicht für Schicht auftragen, ermöglicht diese revolutionäre Technik, das gesamte Organ gleichzeitig innerhalb eines rotierenden, gelartigen Bioinks zu erzeugen. Durch präzise Lichtprojektionen verfestigt sich das Material genau dort, wo es benötigt wird – inklusive eines vollständigen und sofort funktionsfähigen Kapillarnetzes, das jede Zelle mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.
Ein zentraler Schlüssel zum Erfolg ist dabei das eingesetzte Zellmaterial, das aus patienteneigenen Stammzellen gewonnen wird. Hierzu verwandeln Forscher gewöhnliche Zellen – beispielsweise aus Hautproben – zurück in sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen). Diese verjüngten Stammzellen besitzen die Fähigkeit, sich nahezu unbegrenzt zu vermehren und anschließend präzise zu Leberzellen und den nötigen Gefäßstrukturen weiterzuentwickeln. Die daraus resultierende Leber ist immunologisch perfekt auf den Empfänger abgestimmt, womit die Risiken der Abstoßungsreaktion nach einer Transplantation praktisch eliminiert werden könnten.
Erste Tierversuche, die im Rahmen dieser wegweisenden Studie durchgeführt wurden, verliefen vielversprechend. Gedruckte Lebern wurden erfolgreich in Mäuse implantiert und zeigten über Wochen hinweg volle biologische Aktivität, darunter die Entgiftung des Blutes, Bildung lebenswichtiger Proteine und Produktion von Gallensäuren. Aufgrund dieser eindrucksvollen Ergebnisse planen die Forscher bereits in den nächsten zwei Jahren erste klinische Studien am Menschen.
Hinter dieser Entwicklung stehen die junge US-amerikanische Biotechnologie-Firma Trestle Biologics und das renommierte Department für biomedizinische Technik der University of Texas in Austin. Finanzielle Unterstützung erhält das Projekt von führenden Risikokapitalgebern sowie staatlichen Förderinstitutionen, darunter die National Institutes of Health (NIH) und die National Science Foundation (NSF). Auch die Pharmaindustrie zeigt großes Interesse an gedruckten Organen, da diese die bisherige Medikamentenentwicklung und Toxizitätsprüfung revolutionieren könnten – und zugleich Tierversuche weitgehend überflüssig machen würden.
Mit der erfolgreichen Herstellung einer gedruckten menschlichen Leber ist ein bahnbrechender Meilenstein gesetzt. Doch die Forschung steht keineswegs still. Schon bald könnten weitere menschliche Organe folgen, beispielsweise gedruckte Haut, funktionsfähige Blutgefäße oder Knorpelimplantate. Langfristig erhoffen sich die Forscher sogar die Herstellung komplexer Organe wie Herz, Niere oder Lunge.
Auch wenn die vollständige klinische Umsetzung noch Herausforderungen mit sich bringen wird, so steht doch fest, dass die Medizin vor einer regelrechten Revolution steht. Die Vision der Forscher klingt heute beinahe unglaublich: In nicht allzu ferner Zukunft könnten Patienten mit Organversagen einfach ihre individuellen Ersatzorgane „drucken“ lassen – schnell, sicher und vollständig verträglich. Was gestern noch Science-Fiction war, könnte morgen bereits medizinische Realität sein.