Bund und Länder haben beschlossen, irgendwie werden wir lockerer, aber bleiben dann doch etwas steif. Warum? Der Bürger weiß es nicht, weil Politik es nicht erklärt.

Kommunikation in der Krise, bedeutet immer auch Kommunikation des Ausstiegs. Dabei geht es nicht um feste Tage, sondern darum, wann haben wir Kriterien erreicht die weitere Lockerungen möglich machen? Leider sind weder das Robert Koch Institut noch die Politik Willens oder in der Lage solche Kriterien deutlich zu machen.

Angst macht Menschen gefügig. 95% fanden angeblich die Maßnahmen für richtig. Doch langsam bröckeln diese Zahlen. Das wird auch in den vielfältigen Kommentaren in den sozialen Medien deutlich. Gut, die sozialen Medien sind auch nicht gerade zuverlässige Indikatoren, zeigen aber das der Dampf im Kessel steigt.

Gerade deshalb ist eine klare Kommunikation der Politik zu den Bürgern nötig. Die Bürger dürfen nicht als kleine Kinder behandelt werden, den man sagt was sie zu tun haben. Es braucht klare Kriterien, die man den Menschen vermittelt. Nur so kann der Einzelne für sich einschätzen, wie es weitergeht. Derzeit gibt es eine große Verunsicherung, weil die Menschen nicht nachvollziehen können, wieso Politik entscheidet, wie sie entscheidet. So hält man Menschen (unbewusst) in Angst und nimmt ihnen die Lockerheit.

In Sachsen wurde gerade ein Nachtragshaushalt von 6 Mrd. € verabschiedet, ganz locker. Es stellt sich mir schon die Frage, wofür soll das ganze Geld ausgegeben werden? Zuschüsse gibt der Freistaat nicht und stürzt viele Unternehmen so in Existenznöte. Kredite gibt es zwar, doch die sollen ja zurückgezahlt werden. In 3-10 Jahren wird dann die Rechnung präsentiert. Wer gut gearbeitet hat, muss zurückzahlen (ja, sogar mit Rabatt), wer es nicht schafft, zahlt wahrscheinlich nichts. Auch dies schreit förmlich nach falscher Motivation.

Gerade der sächsische Mittelstand hat sich in den letzten 30 Jahren gut entwickelt. Meist wurde auf große Kredite verzichtet und damit auch geringeres Wachstum in Kauf genommen. Gewinne wieder reinvestiert und nicht ausgeschüttet. Das Ergebnis ist, dass unsere Unternehmen zwar solide dastehen, aber keine sehr starke Eigenkapitalquote haben. Dies macht sie jetzt besonders anfällig.

Genau deshalb wären Zuschüsse sinnvoller, denn diese schonen das Eigenkapital. Fremdkapital kann Eigenkapital nicht ersetzen. Kredite mögen kurzfristig wirken und Umsatzeinbrüche ausgleichen, doch wenn der Unternehmen in ein paar Jahren investieren will und zur Bank geht, wird es schwierig.
Die Gefahr ist groß, das unsere Unternehmen in Zukunft nicht so einfach an Fremdkapital kommen, weil der Notkredit ja erstmal abgezahlt werden muss. Kurzum, die Notkredite mögen Unternehmen jetzt retten, verschlechtern aber die zukünftigen Bedingungen und das mitten im Strukturwandel. Das Ergebnis ist, eine Verschlechterung der Bedingungen für den sächsischen Mittelstand.

Welche Konsequenzen diese Notkredite für unsere heimischen Sparkassen und Volksbanken haben, ist auch noch offen. Es ist zu erwarten, das diese in Zukunft weniger Kredite ausreichen. Die billigen Kredite des Staates wirken so als Konkurrenz und schmälern so die Erträge der Banken in der Zukunft.

Da ist es gar nicht so einfach locker zu werden. Je länger die Beschränkungen in Kraft sind, desto härter wird es für die Unternehmen. Wichtigste Aufgabe ist jetzt, die Lieferketten am Leben zu halten. Waren müssen die Grenzen ohne große Probleme passieren können. Ein großer Teil der Unternehmen produzieren noch. Das muss so bleiben, sonst werden Unternehmen mit in die Krise gezogen, die derzeit noch gut durch kommen.

Das gleiche gilt für das Personal. In der Oberlausitz haben viele Unternehmen auf die polnischen und tschechischen Mitarbeiter gesetzt, weil sie vor Ort keine Leute mehr finden. Diese sind von den Beschränkungen ihrer Heimatländer betroffen und fehlen jetzt. Hier ist es Aufgabe der Regierungen schnelle und praktikable Lösungen zu finden.

Erst jetzt sind wir bei den Lockerungen, die den meisten Menschen auf der Seele liegen. Der Einzelhandel muss wieder ans Netz. Viele haben die Frühjahrs- und Sommerwaren im Geschäft und die muss verkauft werden. Viele haben ihren bedarf Online gestillt. Es ist abzusehen, dass der Verlust für den örtlichen Handel nicht aufholbar ist. Doch noch besteht die Chance den Schaden in Grenzen zu halten. Die Wiedereröffnung des Handels ist aber auch ein wichtiges psychologisches Signal an die Menschen. Die jetzige Öffnung in Stufen mag verständlich sein, ist aber wohl eher unnötig.

Das rein in die Abriegelung schneller geht als raus, ist bei KITAs und Schulen zu sehen. Ein zu schnelles öffnen dieser Einrichtungen kann zu einem Wiederaufflammen von Corona führen. So sinnvoll es wäre Grundschulen und KITAs jetzt schon ans Netz zu nehmen, um Eltern zu entlasten, so gefährlich ist es aber auch.

Die Schüler lernen zwar (hoffentlich) fleißig zu Hause. Doch die Eltern können die Lehrer nicht ersetzen, d.h. der Stoff der letzten Wochen muss sowieso in den Schulen wiederholt werden. Diesen Rückstand aufzuholen ist eine Aufgabe des nächsten Schuljahres.

Aufschiebbar sind dagegen Abschlussprüfungen nicht. Diese müssen stattfinden, denn viele Schüler werden im Herbst eine Ausbildung oder ein Studium anfangen wollen. Deshalb muss hier der erste Aufschlag erfolgen. Die Prüflinge zu erst, alle anderen dann, wenn die Gefahr gebannter ist.

Dazu kommt, wer Schulen öffnet kann das nur machen, wenn die Schüler regelmäßig kontrolliert werden. Ansonsten bekommen wir einen neue Ausbruch und sehen ihn zu spät. Ob unsere Testkapazitäten dazu reichen, steht dabei auf einen anderen Blatt.

Hotels und Gastronomie gehören klar zu den an härtesten betroffenen Branchen. Sie werden noch einige Wochen auf den Neustart warten müssen. Man kann im Restaurant schlecht mit Mundschutz essen und ein Kellner in Schutzmontur wirkt sicher auch nicht besonders anregend. Dazu wird es in diesem Sommer keine Großveranstaltungen geben, was zusätzlich für große Umsatzausfälle sorgen wird.

Gerade hier wirken sich die fehlenden Zuschüsse verheerend aus. Am Ende werden bis zu 6 Monate der für den Umsatz so wichtigen Sommerzeit ausfallen. Für viele dieser Unternehmen wird es daher bereits im nächsten Winter eng. Dazu kommt, dass viele Menschen auch nicht gleich Essen gehen werden oder zum Minigolf. Sie werden weiter abwarten, was ja auch verständlich ist.

Es wird also noch etwas dauern bis sämtliche Beschränkungen aufgehoben sind, aktuell wohl nicht vor dem 01.09.2020. Um so wichtiger ist es, dass wir uns nicht durch Angst- und Panikmache anstecken lassen. Die Anzahl der Menschen die sich wegen eines Herzinfarktes oder eines Schlaganfalls nicht in die Notaufnahmen trauen, soll kräftig zurückgegangen sein. Ist am Ende die Angst tödlicher als Corona?

Abgedroschen aber war, Krisen sind Chance. Wofür entscheiden wir selbst. In die Zukunft denkt der Mensch aber nicht, wenn er Angst hat. Also, bleiben Sie schön locker!