OB Ahrens zum Thema berufsbildende Schulen mit einem Brief an Staatsminister Piwarz.
Seit geraumer Zeit ist die Bäckerinnung Bautzen mit dem Obermeister Lutz Neumann und der Geschäftsführerin Sabine Gotscha-Schock schon an diesem Thema dran, aber darüber scheint man in Dresden großzügig hinwegzusehen. Auch der Landtagsabgeordnete Frank Peschel (AfD) ist da hinterher, um das zu verhindern. Die Sicht der Stadt Bautzen habe ich mal in dem nachstehenden Brief an den zuständigen Minister verschickt:

Sehr geehrter Herr Staatsminister Piwarz,
nach meinem Kenntnisstand hat Ihr Ministerium einen Arbeitsentwurf zu den berufsbildenden Schulen vorgelegt. In diesem Arbeitsentwurf soll vorgesehen sein, dass die
Ausbildung für die Berufe Bäcker/Bäckerin und Fachverkäufer/Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk Bäckerei ab 2021/2022 nicht mehr in Bautzen, sondern in Görlitz stattfinden soll.
Wahrscheinlich ist in Ihrem Hause schon bekannt, dass die Ausstattung des Berufsschulzentrums Bautzen gerade für das Bäckerhandwerk hochmodern und im besten Sinne des Wortes „nagelneu” ist. Die Backstube im Beruflichen Schulzentrum ist nicht nur mit neuesten Öfen der Firma DEBAG, sondern auch einer großzügigen Kühlzelle und einer
Ladentheke sowie weiteren Gerätschaften ausgestattet. Als Berufsschullehrer stehen zwei junge Männer zur Verfügung, die selber über eine Bäcker- bzw. Konditorausbildung verfügen und zusätzlich ein Lehramtsstudium absolviert haben. Auch bietet der Landkreis Bautzen hier am Standort in der Stadt Bautzen die Möglichkeit eines kostengünstigen und trotzdem qualitativ hochwertigen Wohnheimes für die
Auszubildenden an. Obwohl mithin die Rahmenbedingungen für eine Ausbildung nicht besser sein können als dies am Standort Bautzen gegeben ist, fällt ein weiterer Aspekt im Grunde genommen noch stärker ins Gewicht: Eine der schwierigsten Herausforderungen für Städte und Gemeinden im ländlichen Raum ist die Aufgabe, die jeweilige Stadt für junge Menschen attraktiv und lebenswert zu gestalten. Sicherlich können wir uns als Kommunen darum bemühen, dass Einrichtungen wie Kinos, Diskotheken, Bars und Clubs gute Standortbedingungen vorfinden und somit für junge Menschen ein interessantes Freizeitangebot zur Verfügung steht. Wenn wir die jungen Menschen jedoch zeitgleich infolge politischer Entscheidungen ohne Not zur Ausbildung wegschicken, entziehen wir den jungen Menschen einen Identifikationspunkt, den eine hochmoderne, leistungsfähige, architektonisch anspruchsvolle und zentral gelegene
Berufsschule zweifelsfrei darstellt. Wir müssen und nicht wundern, wenn die jungen Leute weggehen, wenn wir sie selber schon leichtfertig wegschicken.
Ich ersuche Sie dringend, diese Idee zu überdenken und im Ergebnis zu verwerfen. Bedenken Sie bitte auch, dass es dabei nicht in erster Linie um die Anzahl der
Auszubildenden geht, sondern um das Signal, welches jungen Menschen, die sich in ihrer Heimatregion ausbilden lassen wollen mit einer solchen Entscheidung gegeben würde.

Mit freundlichen Grüßen
Alexander Ahrens