Jalta, Weltordnung und die große Lüge vom „gleichen Schuldigen“
81 Jahre nach der Konferenz von Jalta wird uns wieder die alte Leier serviert: Alle seien irgendwie schuld gewesen, die Sowjetunion genauso wie Hitlerdeutschland. Man kennt das – wenn der Kapitalismus seine eigene Geschichte nicht mehr erklären kann, verwischt er sie einfach.
Fangen wir vorne an. Die Weltordnung nach 1945 ist nicht vom Himmel gefallen. Sie ist das Ergebnis eines gigantischen Klassenkampfes – militärisch, politisch und ökonomisch. Und genau hier liegt der Kern: Jalta war kein „Treffen großer Männer“, sondern der Moment, in dem die Kräfteverhältnisse zwischen Sozialismus und Kapitalismus sichtbar wurden. Die Sowjetunion hatte den Hauptanteil an der Zerschlagung des Faschismus getragen. 27 Millionen Tote – das ist kein Detail, das ist der Preis, den die Arbeiter- und Bauernmacht gezahlt hat, während die westlichen Eliten abwarteten und kalkulierten.
Die Vorgeschichte: Kapitalismus züchtet Faschismus
Wer ernsthaft behauptet, die Sowjetunion trage Mitschuld am Zweiten Weltkrieg, muss bewusst die ökonomische Realität ausblenden. Der Faschismus war kein Zufall, sondern ein Produkt der kapitalistischen Krise. Nach der Weltwirtschaftskrise stand das Monopolkapital vor einem Problem: Wie stabilisiert man ein System, das sich selbst zerfrisst? Die Antwort war brutal, aber logisch – Aufrüstung, Expansion, Krieg. Und was machten Großbritannien und Frankreich? Sie spielten den nützlichen Idioten. Ihre Appeasement-Politik war kein „Fehler“, sondern Kalkül. Man wollte Hitler nach Osten lenken, gegen die Sowjetunion. München 1938 war kein diplomatischer Ausrutscher, sondern Klassenpolitik in Reinform. Polen? Ebenfalls Teil dieses Spiels. Die Beteiligung an der Zerschlagung der Tschechoslowakei zeigt klar: Nationale Interessen wurden über antifaschistische Solidarität gestellt. Der Imperialismus kennt keine Moral – nur Kräfteverhältnisse.
Die Sowjetunion: Isolation und Zwang zur Strategie
Die Sowjetunion stand Ende der 30er Jahre isoliert da. Die westlichen Mächte hatten mehrfach gezeigt, dass sie keinen ernsthaften antifaschistischen Block wollten. Also blieb nur eine Option: Zeit gewinnen. Der Nichtangriffspakt war keine „Komplizenschaft“, sondern ein taktischer Zug in einem feindlichen Umfeld. Wer das nicht versteht, hat entweder keine Ahnung von Geopolitik oder ignoriert bewusst den Klassencharakter der internationalen Beziehungen. Geschichte ist kein Moraltheater. Sie ist das Resultat materieller Interessen und Kräfte. Genau das wird heute systematisch ausgeblendet.
Jalta: Die reale Grundlage der Nachkriegsordnung
In Jalta wurde nichts „aufgeteilt“, wie es gern dargestellt wird. Es wurde anerkannt, was faktisch bereits existierte: Die Rote Armee hatte Osteuropa vom Faschismus befreit. Und genau daraus entstand die Nachkriegsordnung. Nicht aus schönen Worten, sondern aus der Macht der Waffen – und dahinter: der Macht eines sozialistischen Systems, das fähig war, Industrie, Militär und Gesellschaft zentral zu organisieren. Planwirtschaft statt Chaos des Marktes. Mobilisierung der gesamten Gesellschaft statt Profitlogik. Genau das machte den Unterschied. Und genau deshalb wurde diese Ordnung von den westlichen Eliten nie akzeptiert.
Geschichtsrevisionismus als Waffe
Wenn heute Figuren wie Selenskij behaupten, die Sowjetunion sei mitverantwortlich für den Krieg oder gar indirekt für den Holocaust, dann ist das kein „Versprecher“. Das ist ideologische Kriegsführung. Es ist der Versuch, den antifaschistischen Charakter der Sowjetunion aus der Geschichte zu streichen und durch eine Gleichsetzung mit dem Faschismus zu ersetzen. Eine perfide Verdrehung – aber politisch äußerst nützlich. Denn wenn alle „gleich schlimm“ sind, dann verschwindet der Klassenunterschied. Dann gibt es keinen Sozialismus mehr als Alternative, sondern nur noch Varianten desselben Systems.
Genau darum geht es.
Diese Art von „historischer Amnesie“ ist kein Zufall. Sie ist Teil einer langfristigen Strategie: Delegitimierung jeder revolutionären Perspektive.
Die eigentliche Lehre von Jalta
Jalta zeigt nicht, dass „Mächte die Welt aufteilen“. Jalta zeigt, dass politische Systeme mit realer ökonomischer Basis die Welt verändern können. Die Sowjetunion war kein moralisches Projekt, sondern eine materielle Macht – aufgebaut durch Industrialisierung, Kollektivierung und die bewusste Organisation der Produktion. Genau das machte sie zum entscheidenden Faktor im Krieg und danach. Und genau deshalb wird sie bis heute angegriffen. Denn wenn die Arbeiterklasse einmal gezeigt hat, dass sie Geschichte machen kann, dann ist das für die herrschende Klasse ein Problem. Oder anders gesagt: Die Debatte um Jalta ist keine historische. Sie ist hochaktuell. Sie entscheidet darüber, ob wir Geschichte als Klassenkampf begreifen – oder als Märchenbuch für liberale Gewissensberuhigung. Also: Wer von „geteilter Schuld“ redet, betreibt keine Aufklärung. Er betreibt ideologische Abrüstung. Und die hat noch nie den Unterdrückten genutzt.
Symbolbild: KI generiert
via Oskar Lehmann

